Warum sich im Spielejournalismus gewaltig etwas ändern muss

Hallo und herzlich willkommen im Büchnerwald!

Die letzten Tage und Wochen kochte in meiner Bubble ein Thema auf, das ich seit 2014 glücklicherweise vermeiden konnte. Dies ist jetzt nicht mehr der Fall. Die Rede ist von Spielejournalismus und den vielen, vielen Problemen, die er mit sich bringt. In diesem Artikel werde ich das Ganze mal ein bisschen runterbrechen und die aktuellen Probleme aus der weiblichen Perspektive erläutern.

Vorab ein kurzer Disclaimer: Ich bin keine Spielejournalistin. Ich schreibe ab und an journalistische Artikel im Bereich Feminismus und/oder über die LGBT-Community, aber nicht über Spiele. Dafür lese ich eine Menge Artikel in dem Bereich und bin seit 2007 aktiv in der Gaming-Community. Kurz gesagt bedeutet das, dass ich in gewisser Weise Ahnung von der Materie habe, aber nicht so viel, wie ich gerne hätte.

 

Was ist das Problem?

Wieso ich diesen Artikel schreibe, ist gar nicht so einfach zu sagen. Sehr simpel gesagt geht es um den Umgang mit gewissen Themen im Spielejournalismus. Dahinter steht jedoch viel mehr, als „nur“ Sexismus oder „nur“ Homophobie.

Menschen, die in der Spiele-Bubble unterwegs sind, wird aufgefallen sein, dass es bei jeder neuen Veröffentlichung die gleiche Diskussion gibt: Social Justice Warriors machen ‚unsere Spiele‘TM kaputt. Immer mehr Spielefirmen geben Frauen und anderen Minderheiten mehr Raum in ihren Veröffentlichungen. Dafür ernten sie Hass und das ist schade, wenn auch zu einem gewissen Grad normal. Es wird erst problematisch, sobald Magazine, die Spielejournalismus betreiben sollten, diesen Menschen einen sicheren Raum geben, um ihren 0815-Anfeindungen gegen Minderheiten zu verbreiten. In gewisser Weise sind diese ‚journalistischen‘ Online-Magazine sogar an der Entstehung dieser Menschengruppe schuld. Aber fangen wir weiter vorne an.

Spielejournalismus an sich ist gut und wichtig. Wo sonst erfahren wir, wann der Onlinemodus unseres aktuellen Favoriten herauskommt oder wer demnächst einen Überraschungstitel raushaut? Schaut man sich jedoch an, was Spielemagazine wie die GameStar oder auch Giga über die Jahre publiziert haben, fällt einem auf, dass es eben nicht nur um diese Themen geht.

Seitdem Spielemagazine im Internet wie Pilze aus dem Boden geschossen kamen (Ende der 1990er) wurden Klicks vor allem durch Brüste auf Bildern, die absolut nichts mit dem Spiel zu tun haben, oder der Möglichkeit, das Aussehen zweier weiblicher Figuren aus Spielefranchises gegeneinander zu bewerten generiert. Inhalte? Fehlanzeige.

Diese Babe-Ratings, Gallerien von sexy Messebabes etc. wurden seit 2013 zunehmend kritisiert und schließlich wurde der Zugang von der Webseite genommen. Der Content war noch da und generierte den Webseiten durch Klicks Geld, aber immerhin wurden die sexistischen Inhalte nicht mehr auf der Startseite gefeatured.

 

Wieso ist das 2018 relevant?

Klar haben viele Magazine früher solche Inhalte gebracht – aber das ist Jahre her. Wieso also die Debatte heute wieder aufrollen?

Ganz einfach. Wie bereits gesagt sind die Inhalte großflächig noch auffindbar, wenn man weiß wo. Die Gamestar entschuldigte sich in dieser Woche öffentlich auf Twitter und versprach die Listen und Inhalte endgültig zu entfernen. Nach Jahren der Kritik wurden Anfang der Woche endlich alle Spuren der Seiten gelöscht. Damit ist es nur leider nicht getan. Denn was den Magazinen nicht aufzufallen scheint ist, dass sie sich durch Jahre des Sexismus ein Publikum erarbeitet haben. Und das hält sich bis heute.

Unter jedem Beitrag finden sich Kommentare, die mir Magenschmerzen bereiten. Sanktionen auf sexistische (und verfassungsfeindliche) Inhalte werden als Zensur bezeichnet, es wird nach mehr Nacktheit bei Spielen wie Tomb Raider verlangt, Frauen werden nieder gemacht, bewertet und unter den Videos von einem weiblichen Mitglied des Teams oder den Beiträgen, die (warum auch immer) weibliche Figuren in promiskuitiven Posen zeigt, sammelt sich alles von sexuellen Kommentaren zu ekelhaften Drohungen.

Generell ist der Ton in den Kommentaren (egal ob auf der Webseite, Twitter oder anderen Plattformen) furchtbar. Leute beleidigen sich, es gibt viele Trolle und viel Hass. Und die Redaktion macht nichts dagegen. Denn das sind die Leute, die ihre Seite am Leben halten. Ohne diese Menschen verliert die Magazine massive Zugriffe. Und davor haben Zeitschriften wie die GameStar Angst.

Also moderieren sie die Kommentare nicht, lassen die Belästigungen und Beleidigungen zu und füttern die Trolle und Mitglieder des sogenannten Gamergates zusätzlich mit sexuellen Bildern zu Beiträgen und weiteren kleinen Zugeständnissen. Öffentlich ist man nicht mehr dasselbe Team, intern erträgt man den Hass, weil er Kohle und Traffic generiert.

 

Informationen zum ‚Gamergate‘: Das sogenannte Gamergate formierte sich über das Internet, als eine weibliche Spieleentwicklerin Mittelpunkt eines Skandals wurde und brüstet sich seitdem damit, Spiele und die Welt rum um Spiele herum ‚zurückzugewinnen‘. Mitglieder umfassen alles vom harten Kernkreis mit rund 200 Mitgliedern (so wird es zumindest auf der Plattform Reddit kommuniziert), der teilweise kriminell gegen Frauen in der Branche, die es wagen, ihre Spiele zu kritisieren, vorgehen, zu einem weiten Außenkreis an Unterstützern und Leuten, die eigentlich gar nicht wissen, was sie da unterstützen. Es wäre falsch zu sagen, alle, die sich damit identifizieren, seien schlechte Menschen, aber es mangelt einem Großteil zumindest an Selbstreflexion über das, was durch das Gamergate bisher erreicht wurde. Für mehr Informationen würde ich raten, Zoe Quinn oder Anita Sarkeesian zu googeln.

 

Moderation = Zensur?

Das ist das Masterargument. Wir wollen nicht zensieren, sagen die Magazine. Wir wollen nicht zensiert werden, sagen die Trolle und Sexisten. Und aus genau diesem Grund tut sich seit Jahren nichts, unter den Kommentarspalten der großen deutschen Spielemagazine. Man will denen, die dort Hass verbreiten nicht den Mund verbieten. Vielleicht spielt auch Angst davor, angefeindet zu werden mit. Oder der Blick auf Klickzahlen. Oder es ist den RedakteurInnen egal. Ganz gleich der Grund, das offizielle Argument, mit dem KritikerInnen mundtot gemacht werden lautet Zensur.

Nur handelt es sich nicht um Zensur und das ist sehr klar. Unter den Fotos, Videos und Berichten tummeln sich bekannte und unbekannte Gesichter einer ungeheuer gefährlichen Vereinigung. Sie sind der Grund, warum man es sich als Frau oder Minderheit zweimal überlegt, ein Spiel oder das Magazin für fragwürdige Inhalte zu kritisieren. Tut man es doch lässt der Backlash nicht lange auf sich warten.

Frauen haben in der Nerd- und Geekkultur nichts zu suchen – das liest man oft. Wer sich dagegen sperrt, dass weibliche Rüstung mal wieder nur ein Bh und Höschen sein soll wird mit absoluten Todschlagargumenten wie „du bist hässlich“ oder „der männliche Nebencharakter x zieht sich auch mal aus“ zurückgewiesen.

In den Kommentaren sammeln sich die, die einer Meinung sind und polarisieren sich gegen Andersdenkende – Menschen die von dem Gamergate fertiggemacht werden. Hass in Kommentaren kann dazu führen, dass die Situation eskaliert und auf einmal geht eine Adresse rum und der/die KritikerIn wird systematisch zerstört.

Die Zeitschriften und Online-Magazine, die sich noch wenige Jahre zuvor ein toxisches Publikum herangezüchtet haben, stehen nun vor vollendeter Tatsache und schweigen. Sie wissen, wer sich unter ihren Posts unterhält, sehen die Neonazis und offenen Sexisten – sie entscheiden sich, untätig zu sein. Und genau da ist das Problem. Spielejournalismus im Jahr 2018 und unter jedem zweiten Post wird gehasst. Ab und an streut die Redaktion einen ‚kontroversen‘ Post ein – etwas feministisches, um die Aufmerksamkeit der Hassenden zu wecken, etwas Sexistisches, um die Gehassten unter den Post zu locken. Ein ewiger Kreislauf, der von Mal zu Mal schlimmer wird und dafür sorgt, dass man sich als Frau/Minderheit nicht an Spielejournalismus erfreuen kann.

Das konnte man noch nie so wirklich. Seit den 80ern finden sich sexistische und rassistische, sowie homophobe Inhalte in den Spielen, Spielemagazinen und der Kommentarspalte. Aber jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem die Redaktionen etwas sagen können. Es reicht nicht, sich von den alten Inhalten zu distanzieren, es ist an der Zeit, dass sie sich auch von dem alten Publikum lossagen.

Nur so erreicht man, dass sich die, die nicht so denken wieder in die Kommentare trauen. Denn ganz ehrlich – der Großteil der Leserschaft ist nicht böse und sexistisch, sondern einfach müde. Müde davon, auf die Kommentare zu klicken, weil sie etwas beitragen wollen, und dann nur Hass zu sehen. Wir sind die stille Mehrheit und ich verspreche an dieser Stelle allen Spielemagazinen, dass sie nicht weniger Klicks und Kommentare bekommen, wenn sie ihre Ekelfollower loswerden, sondern mehr.

 

Ignoranz im Spielejournalismus – Ein offener Brief an die GameStar

In diesem letzten Abschnitt werde ich mich auf ein besonderes Magazin beziehen. Oben im Text wurde bereits erwähnt, dass die GameStar diese Woche Aufmerksamkeit erregte durch einen alten Skandal und sich dann entschuldigte. Warum mich das aufregt, ich die Entschuldigung für leer und kontraproduktiv halte und die GameStar in ein besonderes Licht rücke, erfahrt ihr in diesem offenen Brief an die Redaktion.

Liebe GameStar-Redaktion,

was genau denkt ihr eigentlich, passiert, wenn unter euren Beiträgen mal wieder die Fetzen fliegen? Wer, wenn nicht ihr weiß, wie schlimm die Reaktionen auf Beiträge sind. Denn ihr seid es, die bis 2013 noch eure sexy Messebabes präsentierten und bis heute fragwürdigen Kontext posten. Andere Zeitschriften haben das früher auch gemacht, aber ihr tragt den Trend in die Gegenwart. Klar, ihr seid heute eine ganz andere Reaktion, deshalb ist euer Content auch so vielseitig und überhaupt nicht mehr polemisch – nicht wahr?

Oh, ihr Kämpfer im Namen der Gerechtigkeit. Ihr kritisiert, wenn Leute ausfallend werden – nicht wahr? Und ihr seid es auch, die auf den Sexismus in den eigenen Reihen hinweisen! Ihr könnt das beweisen: schaut nur her Leute, ganze drei Beiträge, die kritisch zum Thema sind in der letzten Zeit! Na, also wenn euch das nicht von allem freispricht, dann weiß ich auch nicht.

Das Problem nur, liebe Redaktion, ist, dass ihr der Inbegriff von dem seid, was ihr gerne mal kritisiert. Ich habe mir mal den Spaß gemacht und ein bisschen gescrollt und wow – also das Bild von den Brüsten einer weiblichen Figur… also das hat doch bestimmt was mit Kritik an der Boobarmour zu tun, oder? Nein? Es ist nur Clickbait auf Kosten all der Frauen, die sich gegen die unnötig knappen Rüstungen weiblicher Figuren einsetzen? Hm, das ist ja komisch. Dabei bereut ihr es doch so sehr, früher sexistischen Content gepostet zu haben!

Seien wir mal fair und schauen uns die drei Beiträge an, die sich tatsächlich um das Thema Frauen, Emanzipation und Feminismus drehen. Vielleicht sehe ich dann ja, woher euer Claim zur moderne kommt.

Sexismusvorwürfe gegen Riot-Games. Interessant. Ein kurzer Artikel über ein großes Problem der Spielebranche – ihr habt doch weibliche Autorinnen, die sich dazu sicher besser äußern könnten als auf ner halben Seite aber hey, wenigstens berichtet ihr drüber. Werfen wir mal einen Blick in die Kommentare. Hm. Drunter bestätigt ein Ekel das andere, dass es ja voll übertrieben ist, die Frauen, die sich immer so anstellen und überhaupt, SJW ruinieren echt alles! Ihr lasst die ‚Meinungen‘ einfach mal so stehen. Ist ja kein Problem, wenn die einzigen Reaktionen drunter krass frauenfeindliche Scheiße verbreiten. Kann man mal machen. So als modernes Magazin.

Der zweite Beitrag: Frauenfußball als Simulation soll erst kommen, wenn es mehr Nachfrage gibt? Gut so! Die bekommen nie ihre Spiele, weil sowas will ja keiner sehen – außer sie machen die Spielerinnen nackt, dann könnte man sich drüber unterhalten. Leute mit klarer Affinität zu Donald Trump und/oder der AfD/Rechten schreiben ungehindert ihre kleinen, fiesen Sticheleien und erfreuen sich daran, dass ihnen niemand widersprich. Oder sie zumindest davon abhält, sich auszutoben. Antwortet ihnen jemand kritisch, wird die Person so lange mit Hass zugespammt, bis sie aufgibt. Und ihr, liebe Redaktion, ihr seid still.

So funktioniert die Gamer-Blase nun mal, nicht wahr? Wenn jemand kritisiert sagt ihr „wir berichten doch über Sexismus!“, während ihr gleichzeitig vom Hass profitiert, weil ihr rechte Blasen und Sexisten toleriert. Eure Zuschauer und Leser (ich gendere hier mit Absicht nicht) sind offen scheiße und ihr dreht Däumchen. Ihr schaut zu, wie Leute, die euren Job für euch machen und diesen Menschen das bitter verdiente Kontra geben, zerfetzt werden. Es ist euch egal, dass Menschen wie ich Angst haben müssen, euch zu kritisieren, weil schon Leben vom Gamergate zerstört wurden.

Der dritte Beitrag im Namen der Gleichberechtigung ist eure Entschuldigung auf den Shitstorm, den jemand, der früher mal bei euch gearbeitet hat, jüngstens lostrat. In einem 280-Zeichen-Post äußert ihr euch, sagt, dass es falsch war früher Babe-Ratings und Co. zu posten und das all diese Beiträge ja vor Jahren entfernt worden seien. Als euch jemand drunter darüber informiert, dass man die Sachen noch findet und ein zweiter Thread ans Licht bringt, dass ihr die gesamte Zeit, die die Beiträge offiziell offline waren, auch noch Geld damit verdient habt twittert eure Socialmediaperson, dass das ja alles ein Fehler sei und man jetzt dran arbeite. Und tatsächlich sind die Beiträge jetzt weg.

Aber scheiße – fällt euch was auf? Ihr lügt, redet euch raus und eure tolle Entschuldigung steht da mit ihren 280 Zeichen und sieht auf einmal noch lächerlicher aus, als vorher schon. Ihr seid jetzt eine ganz andere Redaktion. Selbst im absoluten Best-Case-Szenario, wenn wirklich jeder in der Redaktion seit 2013 ausgewechselt wurde und niemand ne Ahnung hatte, woher das Geld von den Beiträgen kam, sollte doch eigentlich was Besseres kommen als eine Entschuldigung auf Twitter.

Richtige Aufarbeitung? Zugeben, dass man bis jetzt noch davon profitierte? Dazu stehen, dass man die Inhalte runternahm, nachdem jemand, der nicht mal wirklich feministische Gründe hatte, sondern euch einfach nicht leiden kann, euch bloßgestellt hat und andere Twitter euch bei einer Lüge ertappt hatten? Nö. 280 Zeichen reichen, um die FeministInnen ruhig zu stellen, nicht wahr?

Das System läuft gut. Wenn euch jemand kritisiert entschuldigt ihr euch auf Twitter, einer der Plattformen, auf denen ihr eh kaum Interaktionen habt (anders als auf dem Youtubekanal oder der Webseite), damit ihr diejenigen beruhigt, die euch angreifen und dabei tatsächlich gehört werden. Sprich Männer. Ihr seht die Antworten drunter und begreift, dass es nicht reicht, also fügt ihr noch hinzu, dass alle die Andersdenkende angreifen hier nix zu suchen haben. Ihr findet das nicht gut.

Setzt ihr das, was ihr da sagt auch mal um? Passiert endlich was? Ich spare euch die Spannung: Die Antwort ist nein. Der Beitrag zum Frauenfußball und zu Riotgames kamen nach der „Entschuldigung“ für die früheren, sexistischen Beiträge online. Und die Ekelkommentare stehen drunter, für alle sichtbar – trotz dem Statement, dass man solche Leute hier nicht will. Eine Ansage auf Twitter und alle Kommentare drunter werden in Ruhe gelassen.

Und genau da liegt die Krux – eure gesamte Entschuldigung war Bullshit. Weil ihr die Leute eben doch wollt und sie machen lasst und ihr euch nur entschuldigt, wenn ein Kerl mit ein bisschen Following viral geht und euch zerreißt*. Ihr entschuldigt euch Jahre nachdem die „Babe-Ratings“ online gingen – in der Zeitspanne dazwischen habt ihr weiterhin schön Geld eingestrichen von den Klicks notgeiler Gamer, die sich dran aufgeilen die Brüste von Lara Croft mit denen von Ciri zu vergleichen.

[*Der Thread, der diese ganze Diskussion auslöste, ist ebenfalls problematisch. Mehr zu diesen Thema könnt ihr bei dem Partner-Beitrag zu diesem Artikel auf Geekgeflüster nachlesen.]

Whoopsie – da hat sich ein Fehler eingeschlichen und wir haben aus Versehen scheiße viel Geld mit Klicks auf sexistische Beiträge verdient. Sorry. Können wir jetzt alle wieder Freunde sein?

 

Wenn ihr ehrlich seid, ist die Entschuldigung eh nur deshalb gekommen, weil euch jemand kritisiert hat, der mal bei euch gearbeitet hat und euch richtig vorgeführt hat auf Twitter. Die ganzen Leute, die euch davor für eure alten Inhalte kritisiert haben, wurden schön totgeschwiegen – die Gamergateblase hat das Problem für euch gelöst.

Aber euer Team heute ist natürlich ein ganz anderes und vertritt modernere Ansichten – ihr profitiert nur vom Sexismus eurer alten Beiträge und akzeptiert, dass euer Publikum heute zum Großteil noch immer aus den Gamergatern besteht, die 1997-2013 durch eure sexistischen Beiträge angelockt wurden.

Und es ist ja nicht nur Sexismus! Auch Rassisten sammeln sich fröhlich unter den Beiträgen und ziehen über SJW her, lästern über Leute, die keine Hakenkreuze in Spielen sehen wollen und uh – ein Kommentar wurde entfernt! Das ist ja interessant liebe GameStar-Redaktion! Wieso wurde der den entfernt, die Nazi-Glorifizierung direkt oben drüber durfte aber bleiben?

Unter dem Twitterpost, eurer sehr herzlichen Entschuldigung, sammeln sich Leute die FeministInnen den Tod wünschen, sagen ihr sollt euch nicht dafür entschuldigen, weil man virtuelle Frauen ja nicht erniedrigen kann und – hm ich frage mich, ob diese Leute auch von den zahlreichen Messebabes wissen, die ihr bis 2013 genauso dargestellt habt, wie die virtuellen Frauen? Wissen sie es nicht oder ist es ihnen egal? Ist es euch denn egal? Es wirkt nämlich so. Weil ihr keinem einzigen Kommentar kontra geboten habt.

Ihr klopft euch auf die Schulter, weil wow wir haben gesagt die, die beleidigen, haben hier nix zu suchen! Wir müssen das den Leuten nicht unter die sexistischen Kommentare schreiben, die sich anhäufen nein nein das passt schon so! Und überhaupt, diese ganzen Typen mit den Anime-Profilbildern und Familyguy-Headern die uns recht geben, weil wir früher zwar scheiße waren aber das Publikum halt männlich ist und als richtiger Mann benimmt man sich halt so, die wollen wir ja nicht verscheuchen!

Eigentlich habt ihr ja auch nur hübsche Mädels gezeigt, was ist daran eigentlich so verwerflich? Twitteruser XYZ der meint, er findet das nicht schlimm, ist ein 50-Jähriger Mann mit einem Twitter@, dass auf Southpark anspielt – der ist offensichtlich Experte dafür, wann Frauen sich angegriffen fühlen dürfen!

Männer schauen sich das gerne an und das ist alles was zählt! Die Frauen sollen sich nicht aufregen und ihr sollt nicht so selbstkritisch sein! Antwortet ihr da: „nein, das war falsch und wir übernehmen lieber Verantwortung, als uns darauf auszuruhen, dass Männer das okay finden, was wir damals gemacht haben, weil sie sich an leicht bekleideten Messebabes, die man auf einer Skala von 1-10 bewerten kann, aufgeilen?“ Nein ihr lasst das einfach mal so stehen, weil irgendwie hat der ja recht und überhaupt – ihr wollt Kommentare ja nicht zensieren.

Was Leute nach außen hin sehen ist eure Entschuldigung, was man sieht, wenn man genauer hinschaut, ist ein Clusterfuck aus sexistischen Kommentaren, die ihr unkommentiert stehen lasst, weil ihr genau wisst, dass eure alte Zuschauerschaft Männern besteht, die gerne Frauen erniedrigen, GTA nur spielen, um über Prostituierte zu fahren und sich auf Twitter drüber aufregen, dass die Schauspielerin von Lara Croft viel zu kleine Titten hat. Die riesigen Massen an LeserInnen und ZuschauerInnen, die nicht so denken, können keine unschuldigen Kommentare darüber ablassen, dass sie sich freuen in Assassin’s Creed eine Frau spielen zu können.

Wen wollt ihr also wirklich als Leserschaft? Denn wenn ihr sagt, dass Sexisten hier nichts zu suchen haben, ihr sie aber alle anderen vergraulen lasst, sendet das eine komische Nachricht.

Es bleibt mir nur eins zu sagen: Hört auf euch als offen und politisch super korrekt zu stilisieren. Ihr seid ein Drecksblatt, steht dazu. Oder fangt an, eure Versprechen zu halten und moderiert eure Kommentare. Das fänden ich und alle anderen LeserInnen super. Denn dann könnte man endlich mal über Spiele diskutieren, statt über politische Fragen und Hass. Tut doch nicht so, als wärt ihr ein sicherer Ort für alle Meinungen, wenn der sichtbare Teil eurer Leserschaft aus Menschen besteht, die sich rassistisch, sexistisch und homophob unter euren Beiträgen profilieren. Ihr seht diese Leute, dass könnt ihr nicht verstecken. Und wisst ihr, wer die Leute sonst noch sieht? Alle jene, die von ihnen so lange fertig gemacht werden, bis sie aufhören unter euren Beiträgen gegen sie vorzugehen.

Was euch dann noch bleibt ist der Bodensatz – der ekelhafte, schleimige Rest eurer früheren Inhalte. Auf so ein Publikum kann man echt stolz sein, meinen Glückwunsch!

 


 

Wie oben bereits gesagt haben Aurelia von Geekgeflüster und ich uns ein bisschen zusammengetan, um das Problem anzusprechen: ‚Sexismus und Gaming: Über Bevormundung und Profilierung‚.

 

 

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