Warum man als Künstler stolz auf sich sein muss

Hallo und herzlich willkommen auf dem Blog!

 

Dieser ‚Artikel‘ ist ein bisschen anders, als man es von mir gewöhnt ist. Denn ich schreibe diesen Text über ein Gefühl, welches mich in den letzten Tagen mehrmals ereilt hat.

Stolz.

Gerade AutorInnen, die noch nichts veröffentlicht haben, kaum Verkäufe erziehlen, ihre Texte immer als unzureichend betrachten oder sich einfach unsicher in dem sind, was sie da eigentlich gerade tun, wissen jetzt vielleicht, wieso mich diese Laune so überraschte.

Stolz sein – auf was denn?

Es ist zu einer tragischen Mode geworden, dass kreative Menschen nicht stolz sein können. Dass man sich permanent selber kleinredet, damit das eigentliche Produkt dann größer dasteht oder um sich vor der Enttäuschung zu bewahren, wenn man Kritik erfährt. Lob erfüllt einen kurz mit Licht, Kritik schmerzt ein Leben lang.

 

Ich kann da nur aus meiner eigenen Sicht sprechen, aber wann immer ich etwas verschicke, etwas schreibe oder das von anderen lese, habe ich diese Gedanken im Kopf. Ich bin nicht gut genug. Wieso kann ich nicht so schreiben, wie diese andere Person? Wieso fällt es mir so schwer das zu schreiben, was ich ausdrücken will?

Das Gefühl von Stolz passt nicht in diese Gedankenwelt.

 

Dabei ist es so unendlich wichtig, dass wir stolz sind. Auf uns, unsere Bücher und Bilder und Lieder und Gedichte. Vollkommen egal, ob sie gelesen werden oder nicht. Weil wir erschaffen. Wir kreieren. Wir schöpfen Welten aus dem Nichts, malen Gefühle auf, die andere nicht einmal ausdrücken können.

Vielleicht überkam mich dieses Gefühl, weil ich zum ersten Mal wirklich positives Feedback bekam über die letzten Tage. Vielleicht war es aber auch einfach an der Zeit, dass ich das Schneckenhaus hinter mir lasse. In den letzten drei Tagen haben mir acht verschiedene Personen gesagt, dass sie das, was sie da schreiben, eigentlich nicht mögen. Weil es nicht gut genug ist, weil es nicht so gut ist wie andere Schriftstücke, weil sie es sich anders vorgestellt haben und der schlimmste Grund: Weil sie sich vorkommen, als wären alle anderen besser und sie selbst der absolute Tiefpunkt des AutorInnentums.

 

Es tat mir so weh das zu lesen, weil mir aufgefallen ist, wie oft ich selber in diesen Mustern denke. Und wie absurd es ist, dass mich das Gefühl von Stolz über meine Arbeit überrascht. Wir erstellen uns diese grotesken Qualitätskataloge im Kopf, mit unerreichbar hohen Ansprüchen und hassen das Geschriebene dann, weil es dies nicht erfüllen kann. Stattdessen sollten wir es jemandem schicken, der es für uns liest und kommentiert, daran arbeiten, bis wir es besser finden und diese Kette weiterführen.

Viele tun das bereits, dessen bin ich mir bewusst, aber dieser Text richtet sich an die, die so wie ich sind. Die es sich nicht zutrauen, tatsächlich gut zu sein. Weil ihre Angst zu groß ist, für ihr Selbstvertrauen.

 

Und dann gehen uns Texte verloren, die so wunderbar hätten sein können. Liebe KollegInnen: Traut euch. Ich bitte euch, da ich es nicht mitansehen kann, wie großartiges Talent verloren geht, nur weil man zu hohe Ansprüche an sich selbst hat.

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Ein Kommentar

  1. Ich finde mich da absolut wieder und halte das für einen richtigen und auch wichtigen Vorsatz. Nicht immer einfach, aber auch da kann man ja – wie beim Schreiben und Malen und Kochen und Häkeln und … – besser werden. Bis man einfach stolz ist, ohne es kleinzureden.

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