Wenn Heteros über Homos schreiben

Hallo alle miteinander,

heute soll es um ein Thema gehen, dass mir schon lange am Herzen liegt. Ich weiß immer noch nicht genau, wie ich das angehen soll, ohne einige von euch in irgendeiner Weise anzugreifen. Daher möchte ich hier direkt am Anfang sagen, dass nichts von diesem Text gegen eine einzelne Person gerichtet ist und/oder irgendwie fies gemeint ist. Es ist nur ein wichtiges Thema, welches angesprochen werden muss.

Gay. Gayromance. Gayfiction. Gaywasweißich. In letzter Zeit finden sich immer mehr Menschen in meinem literarischen Umfeld, die gerne in diesem… ehm… ‚Genre‘ (?) schreiben. Generell finde ich das gut. Es zeigt mir, dass Menschen offen sind und auch wenn sie selbst nicht homosexuell sind, über solche Beziehungen schreiben. Damit finden sich logischerweise mehr Geschichten mit homosexuellen Beziehungen auf dem Buchmarkt, was die allgemeine Akzeptanz erhöht.

Tja, zumindest theoretisch. Denn leider lese ich oft und viel über diese Geschichten und denke mir: Oh. Okay…

Aussagen wie „ich schreibe das, weil ich sonst keine Beziehungen beschreiben kann“; „ich finde Homosexualität einfach cool!“ etc. sind auf den ersten Blick nicht sonderlich toxisch. Auf den zweiten und dritten jedoch schon. Denn genau wie 50 Shades keinen realistischen BDSM darstellt, so finden sich in diesen Werken auch kaum realistische Darstellungen von homosexuellen Beziehungen. Weil sie… *trommelwirbel* einfach wie normale Beziehungen sind. Nichts daran ist besonders. Nichts unterscheidet sich. Natürlich gibt es mehr Schwierigkeiten beim Kennenlernen und manchmal homophobe Menschen im Umkreis, aber das Zwischenmenschliche, das Eigentliche, ist genau wie bei Heterobeziehungen. Ich sollte das wissen, ich hatte beides.

Egal ob ich mit einem Mann, einer Frau oder einer NB-Person zusammen war, die Beziehung an sich war immer gleich in ihren Grundzügen. Das Vertrauen, die Nähe. Daran ist absolut nichts so besonders, als dass es eine Sonderstellung verdient. Man kann das nicht schreiben, weil man sonst keine Beziehung schreiben kann. Das funktioniert so nicht.

Der nächste Punkt schließt sich direkt daran an: Warum sind alle immer schwul? Angenommen man schreibt gerne LGBTQA+ weil… ja weil man das interessant findet oder so (mehr dazu gleich) – warum sind die meisten Protagonisten IMMER männliche homosexuelle. Sehr selten sehe ich ein lesbisches Paar im Vordergrund, fast nie jemanden, der bi-, pan-, poly- oder demisexuell ist. Und das waren nicht mal alle Sexualitäten. Mischt man das noch mit trans+ und nonbinary hat man einen schier endlosen Pool an Möglichkeiten. Es muss nicht immer alles homo sein. LGBTQA+ bietet so viel mehr und alle diese Menschen suchen nach Büchern in denen sie auftauchen. Wie viele Bücher mit einer trans+ Person oder einer polyamorösen Person (in denen das wirklich Polyamorie und kein flotter Dreier oder simples Fremdgehen ist) kennt ihr? Ganz genau. Wie viele platten Schwulenromane gibt es? Ganz. Genau.

Wenn ihr da Informationen zu braucht um das zu schreiben gibt es SO viele nette Leute die bestimmt gerne Fragen beantworten und Google selbst hat einiges an Datenbanken dazu.

Das Problem mit nur homo und nur männlich ist relativ tief verwurzelt und kommt – es tut mir leid liebe FanfiktionautorInnen – aus der Fanfiktionszene. Es gibt endlos viele Teenagermädchen, die über Schauspieler und Charaktere fantasieren, diese shippen und in ihrer Fantasie in homosexuelle Beziehungen stecken. So wie viele Männer gerne Lesbenpornos schauen, leben gerade junge Mädchen ihre eigenen Fantasien so aus. Und das ist echt nicht gut. Denn das ist keine Bewunderung mehr. Das ist Fetisch.

Egal welche Sexualität man so behandelt, sie wird zum Fetisch. Der Willen der Menschen, sowie ihre Identität ist egal. Hauptsache am Ende küssen sich die, die man für schwul erklärt hat. Und dann sitzt man kichernd vor dem Laptop und freut sich. Sexualitäten sind nichts, was man wie ein Spiel behandeln sollte. Und sie sind nicht dafür da, dass jemand heterosexuelles sich daran erfreut. Sie sind kein Spielzeug für Slashfiktion, keine erotisches Outlet für Menschen außerhalb und keine – ich wiederhole: KEINE – Pornovorlage. An dieser Stelle könnte ich über Privilegien sprechen oder die Tatsache ausbauen, dass historisch gesehen, Menschen die nicht heterosexuell waren, tatsächlich als Spiel genutzt wurden. Diese Faszination ist bei Weitem nichts Neues. Stattdessen verweise ich auf diesen englischen Text, bei dem das Phänomen auf Tumblr bezogen erklärt wird.

Ich möchte nochmal klarstellen, dass nichts verwerflich daran ist, Charaktere miteinander zu shippen. Das ist Privatsache und man kann das halten wie man möchte. Es ist das öffentliche Niederschreiben von sexuellen Akten und Beziehungen zur Freude von Personen außerhalb dieser Sexualität, was mich stört. Es fühlt sich an wie ein Käfig. Alle starren von außen auf einen wie in einem Zoo. Man wird ausgestellt für die Unterhaltung anderer. Es hat absolut nichts mit Bewunderung zu tun, wenn man nur deshalb homo schreibt, weil man diese Beziehungen zum Beispiel süß findet. Das sind sie nicht. Sie sind normale Beziehungen. Man schreibt ja auch nicht über schwarze Menschen, weil man sie so süß findet.

LGBTQA+ ist eine soziale Gruppe, welche von vielen Dingen bedroht wird. Es gibt Menschen, die auf uns schießen. Uns bedrohen. Uns nicht ernst nehmen. Uns für falsch halten. Elektroschocktherapie für uns wollen. Uns tot sehen wollen. An uns experimentieren wollen. Wir sind nicht süß. Wir sind nicht da, damit sich heterosexuelle Menschen freuen können. Wir sind real und wir haben Probleme und wir brauche echt eure Hilfe dabei, diese zu lösen. Aber ihr helft uns nicht, in dem ihr unsere Sexualität zu einem Spektakel macht.

Schreibt Geschichten in denen einfach eine trans+ Person auftaucht. Keine Erklärung, keine Story die sich darum zentriert. Sie ist einfach da. So wie es im echten Leben ist.

Versucht nicht zwanghaft Themen wie Homophobie anzusprechen oder „modern und fortschrittlich“ damit umzugehen. Wir wollen in Büchern nicht nur die Probleme lesen, die wir tagtäglich vor uns haben. Was würde ich für eine Geschichte geben, in der sich eine LGBTQA+ Person nicht schmerzhaft outen muss, von jemandem abgewiesen oder gemobbt wird oder sich umbringen will. Wir existieren auch außerhalb dieser Dinge. Es kann Geschichten geben, in denen wir einfach da sind, ohne uns permanent wie in einem Zirkus auf ein Podest zu stellen und zu schreien „HALLO LIEBER LESER ICH BIN LESBISCH! HAST DU DAS MITBEKOMMEN? NEIN? OKAY DANN HAB ICH JETZT HEIẞEN SEX MIT MEINER SEXXXXYYYY FREUNDIN WEIL DER/DIE AUTOR_IN DAS GEIL FINDET!“

Wenn ihr so über uns schreibt, sehen andere uns nicht als Menschen. Auf eine gewisse Art und Weise, seht ihr uns nicht als Menschen. Wir sind ein Ding. Ein Subjekt. Wenn man über uns schreibt/liest, versteht man uns ja total und weiß, dass wir alle auf das und jenes stehen. Und wir sind ja alle offen und sexy und allgemein genau gleich, denn das einzige, dass uns definiert ist unsere Sexualität. So wie ihr uns darstellt, sehen uns die Menschen. Und wenn unser einziges Merkmal unsere Sexualität und Geschichten die Eng damit verknüpft sind, ist, dann ist das furchtbar toxisch. Ihr verbreitet Stereotypen und das vermutlich, ohne es zu wissen. Weil ihr euch nie Gedanken über so etwas machen musstet. Weil eure Sexualität nicht in Büchern steht, weil der/die AutorIn das süß oder interessant fand. Eure Sexualität wird nicht auf drei Merkmale reduziert, die in jedem Buch gleich sind. Und nicht jedes Buch mit heterosexuellen Beziehungen dreht sich um die Selbsterkenntnis dieser Sexualität oder um Probleme die nur auftreten, weil man hetero ist.

Natürlich KANN man über Outings schreiben. Und man KANN Probleme ansprechen. Aber es gibt wirklich nur solche Bücher. Und das ist schlichtweg einfach nervig.

Zu alledem kommt ein letzter, wichtiger Punkt: Ihr versteht nicht, wie es sich anfühlt. Ganz egal ob man Outings schreibt oder schmerzhafte Erfahrungen oder einfach den Alltag. Ihr wisst nicht, wie das ist. Das ist einfach so. Wie oft lese ich Bücher wie „Simon and the homosapien agenda“ und denke mir: So ist das nicht. So läuft das nicht ab. Was? Hat sich der/die AutorIn überhaupt schonmal mit einer Person aus dem LGBTQA+-Spektrum unterhalten? Das beste Beispiel ist, dass Outing nicht ein großes Event ist. Es ist ein ewiger Prozess. Man muss sein gesamtes Leben lang jede neue Bekanntschaft abschätzen. Kann ich mich outen? Wann und wie mache ich das? Was passiert wenn XYZ passiert? Wenn ich zu dieser Veranstaltung gehe kann es passieren, dass mich diese und jene Person sieht. Kann ich die Hand meiner Freundin nehmen oder kann es sein, dass mein Chef hier auch einkauft? Es endet nie.

Ihr dürft über uns schreiben. Ihr sollt es sogar tun. Aber bitte bitte bitte informiert euch. Sprecht mit uns. Fragt uns, ob das realistisch ist, wie wir reagieren würden und wie oft einem so was eigentlich passiert. Lest euch Geschichten durch, die wir erzählen. Outing-Geschichten gibt es online zuhauf! Wie würdet ihr euch Vorkommen, wenn ihr eine heterosexuelle Szene lesen würdet, in der beschrieben wird, dass absolut ALLE heterosexuellen Paare genau diese Sexpraktik verwenden (was gerade bei Lesbenszenen SO OFT DER FALL IST! SCISSORING IST BULLSHIT!) oder absolut ALLE heterosexuellen ersten Dates so und so verlaufen.

Brecht mit dem Standard. Bringt mehr Abwechselung hinein als ‚nur‘ schwul und lesbisch. Informiert euch. Sprecht mit uns. Zentriert eure Hauptstory nicht immer um eine Sexualität und bitte hört auf uns zu fetischisieren. Das ist eigentlich alles, was wir wollen.

Ich spreche als Einzelperson für eine Gruppe an Menschen. Das bedeutet, dass nicht alle es so sehen werden wie ich. Es gibt jedoch mehrere Menschen in meinem privaten Umfeld, sowie viele andere, die sich bereits in dieser Art und Weise über das Problem geäußert haben.

Ich erinnere nochmal daran, diesen Artikel nicht als Angriff zu werten, sondern als Bitte. Ich bitte euch, mehr als nur homo zu schreiben. Und mehr als nur Probleme. Und mehr als nur die vier Sachen die man glaubt darüber zu wissen. Wenn ihr uns so interessant findet, dann redet mit uns und schreibt Geschichten, die uns helfen, statt uns zu verletzen. Wer sich weiter über die Probleme der Fetischisierung von Sexualitäten informieren möchte, um das bei sich selbst vielleicht zu vermeiden, der findet unter diesem Post eine Liste an Links.

Danke an die Personen, die sich das bis zum Ende durchgelesen haben.

Links:

Fetischisierung von Homosexuellen auf Tumblr

Fetischisierung von heterosexuellen Charakteren als homosexuell

Fetischisierung von Lesben in den Medien

Ernste Probleme mit der Fetischisierung von Bi- und Homosexuellen Frauen

Ein toller Artikel von Schreibwahnsinn

 

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26 Kommentare

  1. Großartiger Beitrag! Vielen Dank dafür.
    Ich stimme dir dabei voll zu. Wieso gibt es nicht einfach mal eine Fantasy-Story, in der die Hauptfigur trans ist und die Welt rettet, ohne dass dabei ihr Trans-Sein problematisiert werden müsste? Wieso gibt es nicht lesbische Kriminalkommissare, die einen Serienmörder schnappen? Wieso gibt es nicht Familiendramen, bei denen ein Kind polyamorös ist, ohne dass das Inhalt des Familendramas ist? Etc, etc, etc.

    So wünschenswert es ist, dass wir mehr Repräsentation schaffen, es wird immer wichtig bleiben, WIE diese Repräsentation erfolgt. Dass du dir die Zeit genommen hast, da Einblick zu verschaffen: danke dir! Grade mit so vielen Beispielen – dass man heterosexuelle Figuren aus Medien als homosexuell umdeutet, ist auch so ein Ding, klar, gehört das dazu, aber drüber nachgedacht hab ich noch nie. Vielen Dank für dieses Augen-Öffnen und Anreiz-Geben.

    Liebe Grüße,
    deine Kira

  2. Danke für deinen schönen, ehrlichen Artikel ❤

    Vieles davon hat mich tatsächlich in der Art und Weise, wie ich queere Personen in meinen Geschichten repräsentiere, bestärkt, das freut mich. Und an sich arbeiten kann und muss man ja ohnehin ein Leben lang.

    Was mir persönlich die Entscheidung, ob und wie ich LGBTIA+-Figuren in meinen Werken einbinde, erschwert, ist die Tatsache, dass es Fraktionen im queeren Bereich gibt, die sehr unterschiedliche Meinungen vertreten. Die einen – wie du – stehen dafür ein, mehr LGBTIA-Repräsentation zu schaffen und dabei auch den Mut zu haben, über die typischen, häufig thematisierten schwulen Beziehungen hinausgehen. Die anderen sagen, wer selbst cis und/oder hetero ist, sollte generell die Finger von LGBTIA-Themen lassen und das Feld lieber denen überlassen, die ihre persönlichen Erfahrungen einbringen können.

    Ich kann letzteren Wunsch sehr gut verstehen, gleichzeitig sorgt dieser Appell aber auch dafür, dass ich mich bisher noch nicht getraut habe, über die Beschreibung homosexueller oder bisexueller Beziehungen in meinen Büchern hinauszugehen. Die Sorge, dass ich beim Recherchieren einen Fehler mache, ist einfach immer da. So ein komplexes Thema wie das Leben als Transmenschen stimmig umzusetzen, ist eine riesige Herausforderung, und es besteht immer die Gefahr, dass man zwar die Erfahrungen einer Person gut umgesetzt bekommt, denen einer anderen Person aber vollständig widerspricht. Das wäre mir sehr unangenehm.

    Insofern, ja, vielleicht ist es Feigheit, die Autoren/innen davon abhalt, sich komplexeren LGBTIA-Themen zu nähern. Ich denke auch, dass finanzielle Aspekte im Vordergrund stehen. Schwule Geschichten verkaufen sich hervorragend, andere queere Geschichten weit weniger gut. Das ist traurig und sollte beileibe kein Argument sein, aber wenn man vom Schreiben leben will oder muss, kann man unter Umständen nicht anders, als auf die Verkaufbarkeit zu achten. Da besteht also bei Verlagen, aber auch bei Leserinnen und Lesern noch viel Nachholbedarf.

    Übrigens musste ich bei meiner letzten VÖ, die auch eine schwule Romanze beinhaltet, echt darum kämpfen, keinen halbnackten muskelbepackten Typen aufs Cover zu bekommen. Diese Fetischisierung nervt mich nämlich auch massiv. Trotzdem ist es das, was die Verlage verkaufen und die Leser sehen wollen. Von daher sollten sich nicht nur alle Autorinnen und Autoren mit dem Thema befassen, sondern ich fände es auch schön, wenn man als Leser/in darüber reflektiert, was man aus welchen Gründen kauft oder lesen will. Das ist bei der Romantisierung von Missbrauchsbeziehungen, über die ich ja erst neulich geschrieben habe, genau dasselbe. Jeder darf seine Guilty Pleasures haben, aber man sollte aufpassen, was das bei einem selbst und bei anderen bewirkt.

  3. Einfach danke! ❤️

    Ich habe schon häufig über das Thema nachgedacht. Auch wenn ich heterosexuell bin und mir nicht anmaßen möchte Ahnung über alle anderen Sexualitäten und die Menschen und ihre Gedanken, Gefühle, Probleme zu haben finde ich es schade, dass in vielen Romanen alles so klischeehaft ist und genau diese Gruppen zu Randgruppen gemacht werden indem sie als etwas ungewöhnliches dargestellt werden, obwohl der Autor genau DAS ja scheinbar vermeiden wollte, dadurch dass er über solche Themen schreibt.

    Lieben Gruß und alles Gute!
    Nicci

  4. Hat dies auf Trallafittibooks rebloggt und kommentierte:
    „Wir sind nicht süß. Wir sind nicht da, damit sich heterosexuelle Menschen freuen können.“
    Danke für diesen ehrlichen und wichtigen Beitrag.

    Auch, wenn ich mir nicht anmaßen möchte, über Gedanken & Gefühle Menschen aus der LGBT+ Community zu urteilen, habe ich schon oft über dieses Thema nachgedacht. Ich finde es schade, dass in vielen Romanen vieles so klischeehaft dargestellt wird und genau diese Gruppen zu Randgruppen gemacht werden, indem sie als etwas ungewöhnliches dargestellt werden, obwohl der Autor genau DAS ja scheinbar vermeiden wollte, dadurch dass er über solche Themen schreibt.

  5. Danke.
    Dieser Beitrag spricht mir aus der Seele.
    Es trifft genau das, worüber ich solange nachgedacht habe. Du hast die Problematik perfekt auf den Punkt gebracht. Die Normalität wird vollkommen außer Acht gelassen. Der Punkt, dass alles zum Spektakel wird, hast du wahnsinnig gut herauskristallisiert. In ein paar Romanen tauchen mittlerweile alle möglichen Arten von Beziehungen am Rande auf, ohne, dass dabei eine Bombe platzt. Allerdings ist es viel zu selten. Man hat das Gefühl, viele hätten Angst das Thema überhaupt anzusprechen, weil sie vielleicht sonst etwas falsch machen, statt sich zu informieren oder sich mit der Thematik überhaupt wirklich auseinanderzusetzen.

    Schöne Worte ❤

    Alles Liebe,
    Sarah

  6. Vielen Dank für diesen Beitrag! Lange konnte ich meine Gefühle zu diesem Thema nicht im Worte fassen. Ich hoffe, dass auch alle weiteren Leser deine Worte so verstehen, wie sie gemeint sind. Ich lasse dir einen liebe Gruß da und freue mich sehr über deinen wichtigen Beitrag!
    Hannah 🙂

  7. Wow, was ein hammer Beitrag, danke dafür!
    Ich hab noch nicht viele Bücher gelesen, in denen es um LGBTQA+ Beziehungen ging, weil es abschreckt. Man, bzw ich, hab die ganze Zeit dieses Bild im Kopf, dass du auch beschreibst: übertrieben dargestellte homosexuelle Beziehungen. Ich habe erst kürzlich ein Buch zuende gelesen, in dem das Thema so aufgegriffen wird, wie du es dir wünscht: Die Protagonistin ist bisexuell. Sie lernt ein Mädchen kennen, daher wird die Thematik natürlich angeschnitten, aber total unaufgeregt und die Dialoge sagen auch aus, dass es eben eine ganz normale Beziehung ist. Im Vordergrund geht es um ganz andere Problematiken. Es war wirklich toll dargestellt von der Autorin, aber ich hab mich über dieses Unaufgeregte erst gewundert und dann über mich selbst – weil man einfach etwas anderes erwartet hat. Und das kann es einfach nicht sein. Ich will mir nicht anmaßen zu wissen, wie es tatsächlich richtig dargestellt wird. Aber wenn mehr Geschichten auf diese Weise, einfach unaufgeregt, erzählt werden würden, dann wäre die Schwelle glaube ich niedriger bei einigen, um sich mit dem Thema richtig auseinanderzusetzen. Wirklich großartiger Artikel.
    Liebe Grüße Michi

  8. Dankeschön für den ehrlichen Beitrag!

    Ich stimme dir da in sehr vielen Dingen zu und vorallem die jungen Gay-Love-Schreiber-Frauen, die derzeit aus allen Ecken sprießen, wie die Pilze, gehen mir ganz ehrlich gesagt unheimlich auf den Keks! Ich glaube ich habe an die fünfzig Bücher im letzten halben Jahr spätestens nach der ersten „erotischen“ Szene abgebrochen, weil ich es einfach nicht mehr ertrage. Es liest sich bei 99% wie ein Abklatsch vom Abklatsch vom Abklatsch, als hätten alle den selben, ausgedörrten Gen-Pool.

    Ich denke das Problem, warum diese seichten Storys auch gekauft werden wie blöde, ist, das Bücher von heterosexuellen Frauen mit wenig Ahnung von realistischem schwulem Sex hauptsächlich von heterosexuellen Frauen mit wenig Ahnung von realistischem schwulem Sex gekauft werden!
    Da haben zwei Männer ohne Gleitgel spontan Trockensex ohne jegliche Vorbereitung und beide finden es megageil, weil bei Frauen geht das ja auch. Nebenbei verhält sich mindestens einer der beiden Männer fast immer wie eine Frau … aber keiner merkts.

    Wo ich allerdings ein Veto einlegen will, ist, das es keine Autoren gibt, die auch über trans Helden etc. schreiben! Ich bin vor zwei Jahren auf die Bücher von Akira Arenth gestoßen, das ist ein homosexueller Autor, der hauptsächlich über sehr kontroverse Themen schreibt. Seine Hauptprotagonisten sind Außenseiter jeder Art, meistens schwul, weil er, nach eigenen Aussagen, sich damit eben am besten auskennt, aber er hat auch schon über eine heterosexuelle Kriegerin geschrieben, sowie über einen jungen Transmann, der seinen Partner nach einem Flugzeugabsturz findet. Er schreibt auch über Inzest, Zwangsprostitution oder Fantasy Bücher, aber was die zwischenmenschlichen Dinge angeht, so kann ich mir bei ihm sicher sein, das ich realistische Szenen lese, die sehr individuell sind. Viele seiner Bücher beruhen sogar auf wahren Begebenheiten, die er selbst, oder Freunde von ihm erfahren haben.

    Kurzum – es gibt noch Hoffnung!

  9. Guten Morgen!

    Danke für diesen absolut guten und ehrlichen Beitrag!
    Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe, wenn ich mich recht erinnere, noch nie wirklich etwas gelesen, wo es um LGBTQA+ Beziehungen geht. Vielleicht aus genau dem Grund, den du beschreibst, aus „Angst“ es könnte einfach total überspitzt dargestellt werden. Und darauf habe ich einfach keine Lust. Das ist nicht realistisch (klar, viele Bücher sind es nicht, aber wir reden hier ja nicht über Fantasy).

    Vielleicht kennst du ein Buch (gerne auch mehrere) von denen du sagst, das ist realistisch, nicht überspitzt und völlig normal beschrieben? Für eine Empfehlung wäre ich sehr dankbar!

    Liebste Grüße,
    Wiebi

  10. „Sprecht mit uns“ — gut, ich versuche es doch noch mal. Auch wenn unsere Kommis vermisst gemeldet werden.
    Ich dachte mal, nur ich schreibe sowas — das ist 45 Jahre her, da gab es noch nicht einmal die Idee von Fanfiction.
    Wenn alle Leute Homosexuelle süß finden würden, würde niemand mehr auf diese schießen, sondern sie würden auf den Schultern durch die Menge getragen werden. Und so, wie man irgendwann anfängt, die Menschen ernst zu nehmen, sie zu respektieren, auch wenn man sie als Kinder süß fand, so ist dieses „süß finden“ Ausdruck der Liebe.
    Heterosexuelle Frauen schreiben Romane über homosexuelle Männer, weil sie sie lieben.

    • Liebe Lilith,
      eure (?) Kommentare sind aus einem gewissen Grund verschwunden. Ich wollte es mir ersparen eine solche Diskussion einzugehen aber nun gut. Dann wollen wir mal:
      Leuten die auf uns schießen ist es egal, ob andere uns süß finden. Wir werden nicht durch die Menge getragen, wir werden verniedlicht und entmenschlicht. Wir sind keine richtigen Menschen, wir sind Subjekte die irgendwie schwul sind aber eigentlich haben die AutorInnen keine Ahnung von unserer Homosexualität und schreiben das nur, weil sie damit entweder Geld machen wollen oder sich daran aufgeilen.
      Wir sind kein Fetisch. Wir sind nicht dafür da, dass ihr uns süß findet. Ebenso wie Schwarze nicht süß sind. Oder behinderte Menschen. Wenn ihr über uns schreibt, weil ihr uns liebt habt ihr keine Ahnung, wer wir sind. Wir sind Arschlöcher und Eltern und StudentInnen und Bauarbeiter und suizidgefährdete Teenager und tote auf einer Liste eines Massenshootings. „Wir“ sind keine homogene Gruppe an Menschen, die man süß finden kann. Wir existieren für uns. Nicht für euch.

      Es gibt Menschen, die über uns schreiben, um uns zu helfen. Und es gibt Menschen, die über uns schreiben, ohne sich für die Menschen hinter dem Wort „Homo“ zu interessieren.

      • Nur kurz zur Ergänzung, denn ich stimme dir in allen übrigen Punkten zu: Es gibt durchaus Autor*innen für die die sexuelle Ausrichtung zweitrangig ist. Das sind die, die genauso AUCH über queere Personen schreiben, wie sie AUCH über heterosexuelle Cisse schreiben, weil sie echt wirkende Charaktere erschaffen wollen und keine Klischees. Die Sexualität ist nur eine Facette des Menschseins, aber sie definiert niemanden vollständig (jedenfalls nicht, wenn die Person gesund ist – in der Psychiatrie kennt man garantiert ein paar Ausnahmen).

      • Fein, so hat meine Provokation doch gefruchtet. Doch, ich weiß sehr gut, wie Schwule ticken. Ich habe seit den Anfang Siebzigerjahren sehr viel Zeit mit vielen von ihnen verbracht, enge Freunde, tägliche Kontakte. Sie haben mich auch in das eingeweiht, was ich nicht mit eigenen Augen sehen konnte, weil dort Frauen nicht eingelassen werden. Ich würde mich durchaus als Girlfag einstufen, das wurde mir schon vor 40 Jahren klar. Ich habe das Ringen um Emanzipation der Schwulen sehr gut mitbekommen und respektiere sie wie jeden anderen Menschen.
        Darum habe ich seit eben jeder Zeit solche Bücher geschrieben, wie sie hier auf dem Prüfstand stehen. Natürlich gibt es Produkte, die man in die Tonne treten kann, neben solchen, die mich wirklich ansprechen. Es ist gerechtfertigt, Kritik zu üben. Aber die Beispiele umfassen keineswegs das ganze Genre, sie sind die Negativ-Beispiele.
        Und es ging so ein bißchen aus dem Anfangsartikel hervor, dass du dir vielleicht nicht vorstellen magst — kannst? —, dass die Vorstellung von schwuler Liebe eine eigene Devianz ist. Es ist eine so mächtige Fantasie, dass sie gleich mächtig neben anderen Sehnsüchten stehen kann. Es gibt Männer, die nur von der Vorstellung eines männlichen Körpers geil werden. Es gibt Frauen, die nur von der Vorstellung eines weiblichen Körpers geil werden. Und — es gibt Frauen, die nur von der Vorstellung von schwuler Liebe geil werden. Wo setzt du da die Grenzen der Berechtigung?
        Sind das nicht alles Facetten der menschlichen Erotik?
        Und hatten wir uns nicht vorgenommen, alle diese Facetten im Regenbogen gemeinsam gelten zu lassen?
        Übrigens liegt der lesbischen Kritik an schwuler Literatur von Frauen für Frauen ein kleiner Denkfehler zugrunde, nämlich dass wir nicht wüssten, wovon wir reden. Viele von uns haben Sex mit Männern gehabt, mit einem, mit mehreren, waren oder sind verheiratet. Sollte uns das nicht in die Lage setzen, Verbindliches über die Natur des Mannes aussagen zu können? Und ergibt sich dadurch nicht so manche richtige Aussage auch über den schwulen Mann?

  11. P.S. nur zu deiner Kenntnis: Die Zwischenfrage (eure?) enthält die Vermutung, ich hätte mich dreimal mit zwei Fake-Profilen zu Wort gemeldet. Das ist nicht richtig. Es handelt sich um zwei weitere Autorinnen, die gleichzeitig (!) mit mir Kommentare verfasst haben. Wenn du die Hochladezeiten abgleichst, wirst du sehen, dass das Kunststück, drei inhaltlich ähnliche, aber in der Ausdrucksweise verschiedene Kommentare zu senden, nicht einmal mir gelingen würde 🙂

    • Mit dem eure (?) wollte ich eigentlich vermitteln, dass ich nicht genau weiß, was du mit dem Terminus „wir“ gemeint hast.
      Mittlerweile weiß ich, dass ihr in eurer Facebookgruppe über mich diskutiert (übrigens ohne, dass ich mich wehren kann, was schon einiges über euch aussagt).

      Eine Sexualität ist keine Fantasie. Deine Vorstellungen von Homosexualität sind ein Fetisch. Nur weil du Schwule kennst, hast du keinen Freibrief für alles.

      Weil ich diese absolut unsinnige Diskussion nicht weiterführen werde schließe ich jetzt die Kommentare unter diesem Post. Ich habe sehr viele AutorInnen damit erreicht und kann sehr gut damit leben, dass es einige gibt die nicht gewillt sind auf die Message im Post einzugehen und vielleicht mal über sich selbst zu reflektieren.

      Die Tatsache, dass du zugegeben hast, dass es eine simple Provokation war, sagt viel über dich aus. Zum Beispiel, dass du nicht diskutieren möchtest. Du, genau wie der Rest der Kommentarschreiberinnen, willst einfach recht haben. Du willst, dass Leute das lesen und sagen „jap! Die da hat recht!“ Und weil mein Artikel so viel Zuspruch bekommen hat fühlt ihr euch angegriffen. Weil Leute euch nicht mehr Recht geben.
      Ich hoffe ehrlich, dass zumindest ein paar von euch auf Menschen wie mich (die tatsächlich in der LGBTQA+ Szene verankert sind) hören. Ich kann nicht alle bekehren und das war auch nicht das Ziel. Eure Kommentare machen am Ende des Tages nichts anderes, als absolut alles zu bestätigen wovon ich im Artikel schreibe.

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