Medien, Homophobie und #Ehefueralle

Vorab: Dieser Artikel behandelt nichts direkt zum Thema Autorentum, wohl aber zum Journalismus und was man darf und nicht darf.

Ein kleiner Schritt für Merkel, ein großer Schritt für Glitzerhersteller.

„JAWOLL!“ 09:10 Uhr am Freitagmorgen in der WG. Die Mitbewohner, ein paar Freunde und ich haben uns um 08:00 Uhr versammelt. Die Exkursion wird geschwänzt, Uni ist unwichtig – denn heute ist ein wahrhaftig historischer Tag. Die ‚Debatte‘ und anschließende Abstimmung zur ‚Ehe für alle‘ findet ab 08:05 Uhr im Bundestag statt. Wir sitzen gespannt vor dem laggenden, nachhängenden Stream, Twitter auf unseren Handys bereit für bissige Kommentare und glückliche Ausschweifungen. Mitten im nachfolgenden Thema dann endlich die Verkündung – alle Stimmen sind gezählt. Die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Liebenden wird legalisiert.

Die Gesichter der Union sind steinern, unsere dafür umso ausdrucksvoller. Wir machen Musik an, es wird getanzt, gefeiert und dann zusammen gefrühstückt. Wir haben es geschafft! Von den 17 Personen in unsere kleinen Wohnung sind 5 Homosexuell und 3 Bi-/Pansexuell.

Doch die Feierlichkeiten enden abrupt als wir beim Frühstück einen Artikel der FAZ aufschlagen. „Hä? Was soll den das?“ Wir schauen uns verwirrt an. Dann geht es auf Twitter und Facebook, es wird recherchiert. Der Aufschrei spricht sich herum. Keine Stunde später sitzen wir stumm am Tisch, ohne Worte. Frühstück hat es nicht in unsere Mägen geschafft, dafür aber jede Menge Wut.

Ist das noch Meinungsfreiheit oder kann das weg?

Ist das noch Meinungsfreiheit? Darf man das? Und wenn ja, sollte man das dann? Wortwahl und absolut erschreckende Falschinformationen bezüglich Statistiken zum Kindesmissbrauch (Homosexuelle sind NICHT häufiger pädophile Kinderschänder! WAS GEHT BEI DER FAZ AB, DASS EINE SOLCHE INFORMATION GEGREENLIGHTED WIRD???) welche nichts in der Presse zu suchen haben, mal beiseite gezogen – denn das macht den ‚Artikel‘ zur Hetze und somit rechtswidrig – stellt sich die Frage, ob man öffentlich gegen Homosexualität einstehen darf.

Wir diskutieren und kommen zu dem Schluss: Ja, das darf man. Man ist aber ein Arschloch und keinesfalls Teil, der allgemeinen, politischen Presse, als den sich die FAZ so gerne beschreibt. Denn Meinungsartikel und Kommentare müssen als solche gekennzeichnet, und neben einen allgemein-informierenden, neutralen, nicht meinungsgefärbten Informationstextkorpus gestellt werden um eine Zeitschrift zu einer ALLGEMEINEN, POLITISCH-NEUTRALEN Nachrichtenstelle zu machen.

Neben all dem hat sich die FAZ ja nicht mal entschuldigt, sondern weist alles von sich. Verdammt! Gebt doch zu das ihr Mist gebaut habt! Genau wie bei dem super duper tollen Kommentar vor ein paar Tagen, der genauso homophob, dafür aber wesentlich besser und intelligenter geschrieben war! Es kann doch nicht so schwer sein keinen homophoben Mist zu veröffentlichen!!!

[Den kompletten Artikel darf/möchte ich hier nicht zeigen, wer eine gute Zusammenfassung und weitere Meinungen möchte wird z.B. bei der Huffington Post Deutschland fündig.]

Feierlichkeiten Online und Hetze im Print?

Interessant hier ist, dass die FAZ gleichzeitig die guten Neuigkeiten teilte, positive Meinungen nicht anzweifelte und die Leserschaft absolut neutral auf dem Laufenden hielt. Die FAZ ist also  gleichsam enttäuschend und verwirrend.

Aber zumindest sind die anderen Medien nicht so, richtig?

Falsch.

Eine Welle an homophoben ‚Wtf-Artikeln‘ folgte auf den Fuß. Das wohl beste Beispiel bieten Welt und N24.

1. Schaffen wir uns ab.

2. WAS die wollen die noch mehr? Undankbare Homos! [Es handelt sich dabei übrigens um Trans*rechte… nicht um LGB+-Rechte]

Absolut erschreckend. Das 21. Jahrhundert scheint in der Presse nicht angekommen zu sein. Hetze und Homophobie wurden NICHT durch den Entschluss im Bundestag besiegt. Wir sind nicht fertig! Wenn überhaupt, dann steht jetzt noch viel mehr Arbeit an, da die Parteien, Menschen und Medien, welche sich jetzt gegen die Ehe für alle aussprechen bald wieder in Vergessenheit geraten werden und das ist furchtbar! Wir müssen uns merken, wer jetzt wie steht und aufhören Medienoutlets, Politiker, Prominente und Menschen allgemein, welche sich jetzt als homophob kennzeichnen, zu unterstützen!

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