„Frauenliteratur“

Im Rahmen der Recherche für die #Autorinnenzeit (Beitrag stammt aus dem Anfang des Jahres, wurde hier jedoch neu hochgeladen) trifft man, neben furchtbaren Gute-Frage-De-Einträgen wie „Warum ist meine Frau immer so dramatisch???“, auf den Begriff der Frauenliteratur. Die Wikipedia-Seite bietet einige Informationen,

darunter prangert eine Amazon-Anzeige mit den besten Groschenromanen.

Wow!

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Das Thema wirkt wenig ansprechend, dennoch wird es heute um Frauenliteratur gehen, ebenso wie um den Umgang mit der Frauenliteratur in der Germanistik.

Frauen und ihre Literatur werden an den Universitäten gerne mal ignoriert, so viel steht fest. Aber wenn es dann mal ein Seminar zu ihnen gibt, das sich dann nicht mit den Frauen des Mittelalters auseinandersetzt, welche so taten als seien sie Männer, dann geht es meistens um die Frauenliteratur.

Per se hört sich der Begriff ja gar nicht mal schlecht an. Natürlich ist es problematisch, dass man aus dem Schreiben von Frauen ein eigenes Genre machen muss, um zu verhindern, dass sie traditionell-männliche Bereiche wie – naja alles andere halt – beziehen. Ebenso wie es ziemlich lächerlich ist, dass mein 45 Jahre alter Dozent aussah, als wolle er ein Lob aller weiblicher Studentinnen einheimsen, weil er sich mit Frauen in der Literatur auseinandersetzt. Sieht man aber davon ab und betrachtet den Ursprung des Begriffs, so ergibt die Namensgebung durchaus Sinn. Frauenliteratur war die Bezeichnung für die Literatur von Frauen im 19. und 20. Jahrhundert, als sich weibliche Autorinnen nicht mehr verstecken wollten. Ursprünglich war der Begriff auch beschränkt auch Essays und Feuilletons.

Aber – und jetzt kommen wir zum eigentlichen Knackpunkt – diese Begriffsbezeichnung hielt nicht lange an. Schon kurz nach dem Start dieser Bewegung änderte sich das Ganze, als Buchhandlungen begannen kitschige Liebesromane als Frauenliteratur zu bewerben. Autoren begannen den Begriff der Frauenliteratur auf alles auszuweiten, was auch nur im Entferntesten mit Frauen zu tun hatte und/oder mit Groschenromanen.

Tatsächlich wurde Letzteres in den 1930ern zum Synonym für Frauenliteratur.

Wir fassen zusammen: Männer dominieren die Bücherwelt. Frauen wollen mitreden. Männer sagen Frauen schreiben nur Schund und ziehen das Ganze ins Lächerliche.

Na vielen Dank.

Was ich mich jetzt allerdings frage ist, wieso die kitschigen Liebesromane erst dann als Frauenliteratur belächelt wurden, als Frauen anfingen sie zu schreiben? Männer in der Literatur waren schon immer Künstler im Jammern und Schmalz-schreiben, die erotische Komponente mal ausgelassen.Wieso haben wir so ein dringendes Bedürfnis, ja fast einen inneren Zwang Groschenromane ins Lächerliche zu ziehen?

Sobald Frauen begannen auf den, sich gut verkaufenden, Bücher-Zug der romantischen Novelle aufzuspringen war diese Literatur auf einmal minderwertig. Einfach weil Frauen es gerne machten und lasen.

Ab den 80ern wurde der Begriff der Frauenliteratur wieder eingegrenzt um feministische Literatur zu beschreiben und bleibt bei diesem Stigma bis heute stehen. Was interessant ist, wenn man in Betracht zieht, dass auch diese Literatur von Frauen stammend belächelt, von Männern stammend gefeiert wird. Und genau das ist die Literatur die man an der Uni als Frauenliteratur behandelt. Als hätten Frauen nie etwas anderes geschrieben, als hätten die Probleme davor nicht existiert. Die meiste Fachliteratur von Frauen ist über Frauenbilder und Feminismus – alles außerhalb wird gar nicht so wirklich wahrgenommen. Schreibt man nämlich einmal nicht darüber heißt es direkt „Wieso schreiben sie nicht über Feminismus? Sie sind doch Feministin? Oder ist das nicht mehr aktuell?“

Frauen haben schon immer geschrieben. Auch dann, als niemand es las, wahrhaben wollte oder glaubte. Mit der Einführung der ‚Frauenliteratur‘ wurden die Autorinnen erstmals beachtet, nur um das Ganze dann in den Schmutz zu ziehen, alle Literatur von Frauen in ein Genre zu stecken, ‚ihre‘ Literatur nicht ernstzunehmen und es dann lächerlich zu machen, sobald sie die vorgegebenen Stereotypen erfüllen.

Das ist, als würde man einem Kind sagen, es könne als Mädchen nur rosa tragen und sich dann darüber lustig machen, dass Mädchen nur rosa tragen. Aber natürlich ist das nur ein rein fiktives Beispiel.

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