Ablenkung beim Schreiben

Freitagvormittag. Die Uni heute fällt aus. Ich muss zur Abwechselung mal kein Blockseminar absitzen und/oder 30 Essays schreiben. Motivation und kühle Getränke stehen bereit. Ich habe seit Wochen nichts geschrieben, was nichts mit meinen Uni-Seminaren zu tun hatte und kann jetzt ENDLICH ENDLICH ENDLICH wieder schreiben.

Oder halt auch nicht. Whatsapptöne klingen durch meine Wohnung, der Ventilator summt beständig mit der Biene im Hintergrund um die Wette und auf Twitter schreiben alle von ihrem Aufbruch zum LitCamp 2017.

Also gut, denke ich. Kurz auf Twitter allen eine schöne Zeit wünschen, dann auf Whatsapp meiner Kommilitonin mitteilen, dass ich heute leider keine Zeit für eine Referatsbesprechung habe und dann… tja dann ist auch schon wieder fast 12 und eigentlich sollte ich ja was essen bevor mein Magen beim Schreiben die ganze Zeit grummelt. Ich komme also mit einem Käsebrot bewaffnet zurück in mein Schreibzimmer, schaue kurz aufs Handy um zu schauen was ich verpasst habe und dann die Hiobsbotschaft: „Hi Michelle. Ich bin heute überraschend in der Stadt und könnte vorbeikommen. So gegen zwei?“

Hin- und hergerissen zwischen der guten Freundin, die ich seit Wochen nicht gesehen habe und meinem armen Manuskript schreibe ich also zähneknirschend zurück, mache Musik an und fange an aufzuräumen. Die Kommilitonin schreibt ich solle doch bitte bis heute Abend meinen Teil des Referats beenden. Das Manuskript packt die Koffer und dreht sich an der Wohnungstür noch einmal mit einer einzelnen Träne im Auge zu mir um. „Ich ziehe aus. Du liebst mich einfach nicht so, wie ich es verdient habe!“ Ich winke ihm hinterher. Vermutlich hat es recht.

Szenarien wie diese kennt denke ich jede*r Autor*in. Sich Zeit für ein Manuskript nehmen klappt oftmals nicht so, wie man sich das vorstellt. Brotjob/Studium/Kinder/Familie/Freunde/Motivation – an manchen Tagen scheint alles einen vom Schreiben abhalten zu wollen. Darum hier ein großes Bravo an all die Menschen die es neben einem eh schon vollen Leben noch irgendwie schaffen zu schreiben. Ich habe noch nicht herausgefunden wie man das regelmäßig schafft.

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